Was kostet eine unbesetzte Stelle wirklich? Der Rechenweg
Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet: ein nachvollziehbarer Rechenweg statt Pauschalzahlen. Überschlagen Sie Ihren eigenen Fall in fünf Schritten.
Im Internet kursieren beeindruckende Durchschnittszahlen dazu, was eine unbesetzte Stelle angeblich kostet. Das Problem: Ein Durchschnitt über alle Branchen und Positionen sagt über Ihren konkreten Fall fast nichts aus. Nützlicher als jede Pauschalzahl ist ein Rechenweg, den Sie mit Ihren eigenen Werten füllen können. Genau den zeigen wir hier, mit fünf Kostenblöcken und einer Faustformel am Ende. Das Ergebnis ist kein Cent-genauer Betrag, aber eine belastbare Größenordnung für Ihre Entscheidung, wie viel Ihnen eine schnelle Besetzung wert sein sollte.
Block 1: Entgangene Wertschöpfung
Der größte Posten ist fast immer die Leistung, die niemand erbringt. Eine einfache Annäherung: Eine Stelle existiert, weil sie mehr Wert schafft, als sie kostet, sonst gäbe es sie nicht. Als konservative Untergrenze können Sie den monatlichen Wertbeitrag der Rolle mit dem Arbeitgeber-Bruttoaufwand pro Monat gleichsetzen. Bei umsatznahen Rollen wie Vertrieb rechnen Sie stattdessen konkreter: Welcher Deckungsbeitrag pro Monat läuft im Gebiet durchschnittlich über diese Position? Diesen Monatswert multiplizieren Sie mit den Vakanzmonaten.
Block 2 und 3: Mehrbelastung, Überstunden, externe Vergabe
Die Arbeit einer offenen Stelle verschwindet nicht, sie verteilt sich. Kollegen übernehmen Aufgaben zusätzlich zum eigenen Pensum, Führungskräfte springen operativ ein. Kurzfristig funktioniert das, über Monate entstehen Fehler, Verzögerungen und Frust. Der teuerste Effekt ist die Folgefluktuation: Kündigt ein überlasteter Leistungsträger, haben Sie aus einer Vakanz zwei gemacht. Rechnerisch können Sie hier vorsichtig ansetzen, etwa mit einem Zuschlag von 10 bis 30 Prozent auf Block 1, je nachdem wie angespannt das Team bereits ist.
Manche Lücken lassen sich mit Geld überbrücken: bezahlte Überstunden, Zeitarbeit, Freelancer, die Vergabe von Aufträgen an Dienstleister. Diese Kosten sind angenehm konkret, weil sie auf Rechnungen stehen. Addieren Sie die tatsächlichen Monatskosten dieser Überbrückung und ziehen Sie gegebenenfalls den Teil von Block 1 ab, den die Überbrückung wirklich auffängt. Wichtig ist die ehrliche Betrachtung: Ein Interim-Einsatz fängt selten die volle Leistung einer eingearbeiteten Fachkraft auf.
Block 4 und 5: Opportunitäts- und Wiederholungskosten
Schwerer zu beziffern, aber real: Welche Projekte verschieben sich, welche Aufträge lehnen Sie ab, welche Kunden warten länger, weil die Position fehlt? Notieren Sie mindestens die konkreten Fälle, auch wenn Sie sie nur grob bewerten. Dazu kommen die Wiederholungskosten im Recruiting selbst: Jede erfolglose Suchrunde kostet Anzeigenbudget und interne Arbeitszeit für Sichtung und Gespräche. Bricht ein Kandidat kurz vor Vertragsunterschrift ab, beginnt die Rechnung von vorn, und die Vakanzmonate aus Block 1 laufen weiter.
Bild mit KI erstellt oder optimiertDie Faustformel für Ihren Überschlag
- Monatswertbeitrag der Rolle bestimmen: mindestens der monatliche Arbeitgeber-Bruttoaufwand, bei Umsatzrollen der Deckungsbeitrag.
- Mal Vakanzmonate nehmen: realistische Zeit von Kündigung bis zur vollen Einsatzfähigkeit des Nachfolgers, Einarbeitung eingerechnet.
- Plus Team-Zuschlag von 10 bis 30 Prozent für Mehrbelastung und Fluktuationsrisiko.
- Plus tatsächliche Überbrückungskosten laut Rechnung: Überstunden, Zeitarbeit, externe Vergabe.
- Plus konkrete Opportunitätskosten und Recruiting-Wiederholungskosten, soweit benennbar.
Ein Beispiel mit frei gewählten Variablen, nicht mit Marktdaten: Angenommen, eine Fachposition kostet Sie als Arbeitgeber 5.500 Euro im Monat und bleibt fünf Monate unbesetzt, bis der Nachfolger voll eingearbeitet ist. Dann liegt allein Block 1 bei 27.500 Euro. Mit 20 Prozent Team-Zuschlag, 6.000 Euro Zeitarbeit für zwei Monate und einer abgebrochenen Suchrunde sind Sie schnell in einer Größenordnung, die weit über dem liegt, was eine zügige und professionelle Besetzung gekostet hätte. Rechnen Sie es mit Ihren echten Zahlen: Der Effekt bleibt derselbe.
Fazit: Vakanzzeit ist der teuerste Faktor
In fast jeder Variante dieser Rechnung dominiert ein Faktor: die Dauer. Jeder zusätzliche Vakanzmonat multipliziert alle Blöcke. Deshalb ist die wirksamste Kostensenkung nicht das billigste Stellenportal, sondern der schnellste seriöse Weg zu einem passenden Kandidaten: klare Anforderungsprofile, zügige Prozesse und Kanäle, die auch nicht aktiv Suchende erreichen. Wenn Sie den eigenen Fall durchgerechnet haben und die Zahl Sie beunruhigt, unterstützt Talnovia Sie gern dabei, die Vakanzzeit spürbar zu verkürzen.
Bild mit KI erstellt oder optimiertVeröffentlicht am 25. August 2026 · Talnovia Redaktion
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