Kandidaten-Geschichte
„Vier Nächte die Woche im Hotel, das war kein Leben mehr. Heute bin ich um halb fünf zu Hause.“
Stefan G. · Elektroniker für Betriebstechnik
Vermittelt in 5 Wochen
KI-generiertes BildDie Ausgangslage
Ich war sechs Jahre bei einem Anlagenbauer auf Montage, Schaltschränke in Betrieb nehmen, von Polen bis Portugal. Sonntagabends ins Auto, Donnerstagnacht zurück, dazwischen Baustellenkantine und Hotelzimmer, die alle gleich riechen. Solange ich allein war, fand ich das sogar gut, das Geld stimmte und man sieht was. Dann kam mein Sohn, und nach dem zweiten Geburtstag, den ich per Videoanruf aus einem Werk in Tschechien erlebt habe, war für mich Schluss. Das Problem war nur das Geld: Mit den Auslösen kam ich auf ein Einkommen, das mir kein Betrieb in der Gegend für eine Stelle im Werk zahlen würde, dachte ich jedenfalls. Also bin ich jede Woche wieder losgefahren und habe mir eingeredet, dass es nur noch ein Jahr ist.
Der Weg mit Talnovia
Mein Berater hat im ersten Telefonat als Erstes gefragt, was nach Spritgeld, Essen unterwegs und allem, was zu Hause liegen bleibt, eigentlich übrig bleibt. Die Rechnung haben wir zusammen gemacht, und der Abstand zu einer festen Stelle war viel kleiner, als ich jahrelang geglaubt hatte. Danach hat er gezielt Betriebe im Umkreis von dreißig Kilometern angesprochen, die ihre Instandhaltung ausbauen wollten. Einer davon, ein Kunststoffverarbeiter mit Spritzgießanlagen, hatte die Stelle noch gar nicht ausgeschrieben. Vor dem Gespräch hat er mir gesagt, dass der Instandhaltungsleiter vor allem wissen will, ob ich Fehler in einer SPS selbst finde oder erst den Hersteller anrufe. Genau darüber haben wir dann eine Stunde gefachsimpelt, mit Kaffee an der Linie statt im Besprechungsraum.
Was den Unterschied gemacht hat
Der Knackpunkt war die ehrliche Rechnung, die ich allein nie aufgemacht hätte. Ich hatte immer nur die Zahl auf der Abrechnung gesehen und nie, was die Montage mich an Nebenkosten und an Familie gekostet hat. Dazu kam, dass meine Inbetriebnahmen im Lebenslauf nur als Auslandseinsätze standen. Mein Berater hat daraus gemacht, was sie für ein Werk bedeuten: ich habe hunderte Anlagen zum ersten Mal eingeschaltet und weiß, wo sie später Ärger machen. Für einen Instandhaltungsleiter ist das Gold wert, das habe ich im Gespräch an seinem Gesicht gesehen.
Heute
Ich arbeite heute in der Instandhaltung eines Werks mit rund 300 Beschäftigten, Frühschicht und Spätschicht im Wechsel, Rufbereitschaft einmal im Monat. Die Anlagen kenne ich inzwischen so gut, dass mich die Kollegen aus der Fertigung direkt anrufen, bevor sie ein Ticket schreiben. Unterm Strich liegt mein Netto nur knapp unter dem Montage-Netto, und das bei vierzig Stunden statt sechzig. Mein Sohn geht jetzt in den Kindergarten, und dienstags hole ich ihn ab. Nach sechs Jahren Autobahn fühlt sich das immer noch ein bisschen wie Urlaub an.
Nachgefragt
- Was vermissen Sie an der Montage?
- Ehrlich gesagt die Kollegen aus dem Montagetrupp, wir waren wie eine kleine Familie auf Zeit. Wir schreiben uns noch, und zweimal im Jahr treffen wir uns zum Grillen.
- Wie hat Ihre Familie auf den Wechsel reagiert?
- Meine Frau hat am ersten Freitag im neuen Job Kuchen gebacken, das sagt eigentlich alles. Mein Sohn fragt inzwischen morgens nicht mehr, wie viele Nächte ich weg bin.
- Was würden Sie heute anders machen?
- Ich hätte die Rechnung zwei Jahre früher aufmachen sollen. Ich habe mir das Festhalten an der Montage viel zu lange mit einer Zahl schöngeredet, die gar nicht stimmte.
Name und Details sind zum Schutz der Beteiligten anonymisiert beziehungsweise verändert.
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