Kandidaten-Geschichte
„Ich wollte die Pflege nicht verlassen, nur das ständige Einspringen. Jetzt habe ich Zeit für die Menschen, für die ich den Beruf gelernt habe.“
Miriam K. · Pflegefachkraft in der neurologischen Reha
Vermittelt in 7 Wochen
KI-generiertes BildDie Ausgangslage
Ich habe nach dem Examen fünf Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet, und fachlich war das die beste Schule, die ich mir vorstellen kann. Aber der Dienstplan war eine Absichtserklärung. Mindestens dreimal im Monat klingelte an einem freien Tag das Telefon, und irgendwann habe ich bei der Nummer der Station einfach nicht mehr abgenommen und mich danach schlecht gefühlt. Was mich am meisten gestört hat: Die Patienten gingen, sobald sie stabil waren, und ich habe nie erfahren, ob jemand wieder laufen oder sprechen lernt. Kolleginnen haben mir zur Leasingfirma geraten oder gleich zum Ausstieg aus dem Beruf. Beides wollte ich nicht, ich mag meinen Beruf, ich wollte ihn nur unter Bedingungen machen, die ich länger als zwei Jahre durchhalte.
Der Weg mit Talnovia
Meine Beraterin hat im ersten Gespräch nicht nach Stationen gefragt, sondern nach dem Moment im Job, der mich zuletzt richtig gefreut hat. Das war ein Patient, der mich Monate später auf dem Wochenmarkt angesprochen hat, und damit war die Richtung klar: neurologische Reha, wo man Fortschritte über Wochen begleitet. Sie hat mir zwei Kliniken vorgestellt und ganz konkret erfragt, wie oft dort in den letzten Monaten aus dem Frei geholt wurde und wie das Ausfallkonzept aussieht. Bei einer war die Antwort ausweichend, die haben wir gestrichen. In der anderen durfte ich vor der Zusage einen Tag hospitieren, im Frühdienst, mit Übergabe und Therapiebesprechung. Nach diesem Tag wusste ich, dass ich dort hingehöre.
Was den Unterschied gemacht hat
Entscheidend war, dass jemand die unbequemen Fragen gestellt hat, die ich mich als Bewerberin nie getraut hätte. Wie oft wird eingesprungen, wer springt ein, gibt es einen Springerpool? In einem Vorstellungsgespräch hätte ich das höchstens vorsichtig angedeutet und eine freundliche Floskel zurückbekommen. Außerdem hatte ich Angst, dass ich in der Reha fachlich abbaue, weil dort keine Beatmung und kein Monitoring wie auf der Intensiv läuft. Meine Beraterin hat mir gezeigt, dass gerade in der Frührehabilitation Intensiverfahrung gesucht ist, weil dort Patienten mit Trachealkanüle ankommen. Aus meiner Sorge wurde so mein stärkstes Argument.
Heute
Ich arbeite heute in einer Reha-Klinik zwischen Feldern und Knicks, eine Stunde von Hamburg entfernt, und mache gerade die Weiterbildung zur Praxisanleiterin, die Klinik stellt mich dafür frei. Mein Dienstplan steht sechs Wochen im Voraus und hält, weil die Klinik einen eigenen Springerdienst hat. Wenn ein Patient nach acht Wochen zum ersten Mal allein die Tasse hebt, bin ich dabei, und genau das hat mir fünf Jahre gefehlt. Das Gehalt ist vergleichbar mit vorher, dafür zahle ich keine Parkgebühren mehr in der Innenstadt. Und mein Handy liegt an freien Tagen einfach auf dem Küchentisch, ohne dass mir bei jedem Klingeln der Magen zusammengeht.
Nachgefragt
- Was hat Sie beim Hospitationstag am meisten überrascht?
- Dass bei der Übergabe auch die Physiotherapeutin und die Logopädin saßen. Auf der Intensiv hätte ich viele Kollegen anderer Berufe nie persönlich kennengelernt.
- Fehlt Ihnen die Intensivstation manchmal?
- Das Tempo manchmal, das gebe ich zu. Aber ich schlafe besser, und das merken auch meine Patienten, weil ich ausgeruht zur Schicht komme.
- Was raten Sie Kolleginnen, die an Ausstieg denken?
- Erst die Station wechseln, dann den Beruf infrage stellen. Bei mir lag es nie an der Pflege, sondern an den Bedingungen, unter denen ich sie gemacht habe.
Name und Details sind zum Schutz der Beteiligten anonymisiert beziehungsweise verändert.
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