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Kunden-Geschichte

„Die Nachtschicht galt als Stelle, die niemand will. Dann saß uns jemand gegenüber, der genau diese Stelle gesucht hat.“

Backwarenhersteller, Oldenburger Münsterland · Industrielle Backwarenproduktion, 280 Mitarbeitende

Nachtschichtleitung in 6 Wochen

Backwarenhersteller, Oldenburger Münsterland, Industrielle Backwarenproduktion, 280 MitarbeitendeKI-generiertes Bild

Die Ausgangslage

Der langjährige Leiter der Nachtschicht war in den Tagdienst eines anderen Betriebs gewechselt, und seitdem trug ein Vorarbeiter die Verantwortung für drei Linien, ohne dafür vorgesehen zu sein. Nachts häuften sich kurze Linienstillstände, Rezepturumstellungen zogen sich, und morgens fand die Frühschicht regelmäßig Chargen vor, die nachgearbeitet werden mussten. Der Produktionsleiter wurde fast jede Woche nachts angerufen und fuhr mehrmals selbst ins Werk. Auf die Anzeigen meldeten sich durchaus erfahrene Leute, aber im Gespräch stellte sich fast immer heraus, dass sie eine Tagstelle suchten und die Nacht höchstens übergangsweise machen wollten. Zwei Einstellungsversuche endeten so bereits in der Probezeit. Im Haus setzte sich die Überzeugung fest, dass sich für die Nacht schlicht niemand dauerhaft finden lässt.

Die Zusammenarbeit

Talnovia hat im Briefing zuerst gefragt, wie die Nachtschicht eigentlich organisiert ist. Die Antwort: im Wechsel, mal zwei Wochen Nacht, dann wieder Früh. Genau das passte weder für Menschen, die den Tag meiden wollten, noch für die, die ihn brauchten. Gemeinsam mit der Werksleitung wurde die Stelle als feste Dauernacht mit klarer Übergabe an die Frühschicht neu zugeschnitten. Gesucht wurde dann gezielt nach Schichtführungen, die bereits dauerhaft nachts arbeiten, etwa in Molkereien, Getränkeabfüllung und Fleischverarbeitung der Region, wo durchgehend produziert wird. Nach sechs Tagen lagen die ersten Profile vor. Das Zweitgespräch fand auf Wunsch der Kandidaten während der laufenden Nachtschicht statt, damit sie die Linien so sahen, wie sie sie künftig führen würden.

Was den Unterschied gemacht hat

Der Hebel war, die Nacht nicht als Makel der Stelle zu behandeln, sondern als Modell für eine bestimmte Zielgruppe. Es gibt Menschen, die bewusst nachts arbeiten, weil es in ihr Familienleben passt oder weil sie ruhige Schichten mit wenig Abstimmungsaufwand schätzen. Für diese Gruppe war der ständige Wechsel das eigentliche Ausschlusskriterium, und genau den hatte die alte Anzeige als selbstverständlich vorausgesetzt. Mit dem neuen Zuschnitt sprach die Stelle plötzlich die Leute an, die bleiben wollen.

Das Ergebnis

Nach sechs Wochen unterschrieb eine Schichtleiterin aus einer Molkerei, deren bisheriger Arbeitgeber die Dauernacht abschaffen wollte. Sie trat nach ihrer regulären Kündigungsfrist an. Die kurzen Stillstände in der Nacht sind seit dem zweiten Monat spürbar seltener, und die Frühschicht übernimmt morgens wieder saubere Linien statt Baustellen. Der Vorarbeiter, der die Lücke überbrückt hatte, ist heute ihr offizieller Stellvertreter. Der Produktionsleiter wird nachts nicht mehr angerufen.

Nachgefragt

Was hat Sie am Vorschlag mit der Dauernacht zunächst skeptisch gemacht?
Ich dachte, Dauernacht mutet man Leuten zu, niemand wünscht sie sich. Im ersten Gespräch saß dann eine Kandidatin, die genau deshalb wechseln wollte, weil ihr die Dauernacht weggenommen werden sollte.
Wie haben Sie die Monate ohne Schichtleitung persönlich erlebt?
Mein Telefon lag neben dem Bett, und es hat fast jede Woche geklingelt. Meine Familie hat die Einstellung vermutlich mehr gefeiert als ich.
Was würden Sie heute anders machen?
Den Vorarbeiter früher fragen, was er eigentlich will. Er hat die Schicht monatelang getragen, und erst während der Suche kam heraus, dass er gern Stellvertreter wäre, aber nie die Leitung.
Was hat die neue Schichtleiterin in den ersten Wochen verändert?
Sie hat die Übergabe an die Frühschicht auf fünf feste Punkte reduziert. Klingt banal, aber seitdem fragt morgens niemand mehr, was in der Nacht passiert ist.

Name und Details sind zum Schutz der Beteiligten anonymisiert beziehungsweise verändert.

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